Opa war da

Dann sah ich gegen Morgen auf Opa. Den Schneidermeister für Damenmode im Ruhestand. Er grinste mich an.

Eine Einladung aus dem letzten Jahr blieb mir in Erinnerung. Mein Bruder sprach am Telefon von einer Familienfeier. Unser Erscheinen setzte er voraus. Der Anlass war die Konfirmation des jüngsten Kindes. Beiläufig erwähnte er, dass ein Überraschungsgast auf uns wartete. Der Frage nach dem Namen wich er aus.

Gespannt und voller Neugier fuhren wir an einem Sonntag zum Haus des Bruders. Der Jüngste, das Konfirmationskind, öffnete uns. Sein Geschenk steckte ich ihm in einem Briefumschlag zu. Im Wohnzimmer begrüßte uns der Rest der Familie. Die zwei älteren Kinder rannten auf uns zu. Nach der stürmischen Begrüßung baten wir um eine Atempause.

Mich bewegte eine Frage: «Wo ist denn der Überraschungsgast?» Die Fragestellung war kaum verklungen, als sich eine Seitentür langsam öffnete. Zwei braungebrannte Menschen betraten den Raum. Beide strahlten uns an. Die gutaussehende jugendliche Dame kannte ich nicht. Dafür sofort den alten Herrn.

Es war mein Vater. Opa war da. Der Schneidermeister für Damenmode im Ruhestand. Der tiefgehende Betreuer und Berater seiner ehemaligen Kundinnen. Wir waren uns seit Jahren nicht begegnet.

Er grinste mich an. Ich war schockiert ihm zu begegnen. Schließlich begrüßte ich ihn mit Handschlag. Seine Begleiterin stellte er mir als Lebenspartnerin vor. Alle Anwesenden setzten sich zum anschließenden Festessen an einen langen Tisch im Esszimmer. Das Essen dauerte. Zwei oder mehr Stunden. Es schien sich eine gute Stimmung zu entwickeln. Nach der Festmahlzeit bildeten sich Gruppen.

Meine Ehefrau kannte meinen Vater und seine Begleitung nicht. Sie und die Schwägerin gingen auf beide zu. Ich beobachtete, dass sich die vier unterhielten. Mein Bruder und ich verschwanden ins Privatzimmer. In diesem Zimmer hielt er sich oft auf. Mich bewegten ein paar Gedanken. Er bemerkte die Anspannung an mir: «Man sieht es deiner Nasenspitze an. Bei dir brennen Fragen auf den Nägeln. Schieß los!» Mit einem lachenden Gesichtsausdruck stimmte ich ihm zu: «Was will der Alte hier? Wieso hat der schon wieder eine Neue? Hört das nie auf? Durchschauen Damen jemals den hohlen Charmeur? Wenn das Mama mitbekommen hätte!»

Er lachte zu den Fragen. Seine Antwort war ernsthaft: «Den ändern wir nicht. Er hat sich selbst eingeladen. Seit einer Woche sind beide hier. Sein Konfirmationsgeschenk hat bei unserem Sohn Eindruck hinterlassen. Opa hat ihm zur Konfirmation einen passenden Anzug geschneidert.

Grundsätzlich beurteilen die Schwiegereltern und meine Ehefrau die Situation ähnlich wie du. Wahren wir die Form. Gehe ihm einfach die nächsten Stunden aus dem Weg!»

Wir erinnerten uns an Mutter. Sie erzählte mir und meinem Bruder ungewöhnliche Episoden von Vater. Mama war bereits in einem Pflegeheim. Mit Tränen in den Augen schilderte sie die Schläge vom Alten.

Es fiel uns damals und heute schwer, das zu glauben. Unsere zu der Zeit noch lebenden Großeltern beschrieben ebenfalls die Charakterschwächen des Schwiegersohns. Ihnen missfielen die zahlreichen Affären von ihm mit anderen Damen.

Das war lange her. Ein Glück das Mama, Oma und Opa nicht mehr lebten. Sie würden den Schneider wahrscheinlich in den Mond schießen. Wir verließen in Gedanken versunken das Zimmer. Um den Alten schlug ich einen Bogen. Bis zum Ende des Festes.

Auf dem Weg zum Wohnzimmer begegnete uns der Jüngste in seinem neuen Anzug. Opa war da gerade nicht anwesend.

Der Jüngste meinte: «Hört bitte zu. Ich habe eine Frage an euch. Es geht um Opa. Letzte Nacht haben wir zusammen in meinem Zimmer geschlafen. Er lag auf der Schlafcouch gegenüber dem Bett. Er trug ein langes Nachthemd.

Im Raum leuchtete das Schlummerlicht. In der Nacht wachte ich von lauten Geräuschen auf. Opa schnarchte stärker als du Papa. Das hörte nach einiger Zeit auf. Beziehungsweise es folgten leisere Töne.

Dann sah ich gegen Morgen auf seine Couch. Das hatte ich noch nie gesehen. Opas Nachthemd rutschte empor. Seine Pobacken waren nackt. Plötzlich pupste er und zog das Nachthemd herunter. Ein weiterer Pups folgte. Was machte Opa in diesem Moment? Er wedelte mit dem Nachthemd vor seinem Popo hin und her. Es roch merkwürdig. So ein Ferkel!»